STRATEGIE

Die COVID-19-Pandemie erfordert intelligente Massnahmen und neue Strategien – 5g

Die geplante Einführung der 2G-Regelung (Zugang nur für Genesene und Geimpfte) mit einer Ausgrenzung Ungeimpfter halten wir für verfassungswidrig und nicht mit unserem Recht auf freie Selbstbestimmung vereinbar. Die aktuelle Impfkampagne unterstützen wir ausdrücklich. Allerdings gibt es Mitmenschen, die unter schwerwiegenden Vorerkrankungen leiden und sich nicht impfen lassen können. Hinzu kommen jüngere, gesunde Menschen, die sich bewusst gegen eine Impfung entscheiden. Diese Entscheidung muss respektiert werden. Schließlich haben die aktuellen Impfstoffe in Europa gegenwärtig noch keine volle Zulassung (Notfall-Zulassung) und eine COVID19-Impfung ist grundsätzlich erst einmal reiner  Selbstschutz. Außerdem haben junge Menschen häufiger Impf-Nebenwirkungen und ein geringes Risiko für schwere Verläufe. Für Kinder und Jugendliche ab 12 hat die STIKO ihre Impfempfehlung demnach auch in „erster Linie“ nicht medizinisch begründet, sondern mit den „psychosozialen Folgeerscheinungen“ einer COVID19-Erkrankung. Ein wichtiges Detail bei der Abschätzung einer individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung.

Auch wenn die aktuelle Impfkampagne wichtig ist , wird sie allein aber nicht reichen. Das Coronavirus SARS-CoV-2 findet immer ein  Schlupfloch, vor allem durch neue Varianten , die sich unserem Immunsystem entziehen. Soviel sollten wir bereits gelernt haben. Die vierte Welle baut sich gerade auf. Betroffen sind nicht nur Ungeimpfte, sondern auch sogenannte Impfdurchbrecher, also bereits vollständig geimpfte Menschen. Wichtig ist jetzt eine sichere und frühzeitige Diagnose kombiniert mit einer professionellen Betreuung erkrankter Menschen. Das kann viele Menschenleben retten und eine Überlastung unseres Gesundheitssystems verhindern. Ein Lockdown kann und darf nur der letzte Ausweg sein. Im Vergleich zum Beginn der Pandemie stehen uns genügend Informationen und Technologien zur Verfügung, dieses zu verhindern. Sie müssen nur zielgerichtet und effektiv eingesetzt werden. Deshalb haben wir ein 5 Vorschläge für ein effektives Management der COVID19-Pandemie. Grundsätzlich sollen die Maßstäbe genesen – geimpft – getestet – gehört – geholfen gelten = 5g.

Eine Anpassung der RNA-Impfstoffe an Varianten, bevor sie sich durchgesetzt haben ist ein wichtiger Schritt. Die aktuell dominierende Delta-Variante hat sich weiter optimiert. Eine zusätzliche Mutation (K417N), die wir schon von der südafrikanischen Beta-Variante kennen, könnte zu einem Versagen der Impfstoffe führen. Diese Delta plus Variante (auch als AY.3 Mutante bezeichnet) ist bereits in Indien, den USA, Großbritannien und auch bei uns nachweisbar. Noch ist unklar, ob sie sich durchsetzen wird. Dann könnte es aber schon zu spät sein. Entsprechende Impfstoffe müssen jetzt in die Entwicklung. Sollte sich eine Zunahme von Delta plus abzeichnen, ist eine verkürzte Zulassungsstudie erforderlich. Die Änderungen am Impfstoff sind verhältnismäßig gering, hätten aber wahrscheinlich einen durchgreifenden Effekt. Das gilt auch für andere, potenziell aggressivere Varianten. Wir müssen versuchen, schneller zu werden und vorauszuschauen. Ansonsten wird uns das Virus erneut überrollen.

Impfskeptikern sollten bevorzugt konventionelle  Impfstoffe ohne RNA- oder Vektortechnologie angeboten werden. Diese befinden sich gegenwärtig in der klinischen Zulassungsphase und werden  kurzfristig verfügbar sein. Alle Geimpften > 50 Jahre  müssen Zugang zu einer Auffrischimpfung haben. Das gilt insbesondere für Geimpfte ohne Kreuzimpfung.  Geimpften mit Vektorimpfstoff werden umgehend  RNA-Nachimpfungen angeboten (Kreuzimpfung). Eine erneute  Priorisierung ist zu vermeiden, indem aktuell ungenutzte Impfstoffe verimpft  werden, auch wenn noch keine 6 Monate nach der letzten Impfung vergangen sind.

Antigen-Schnelltests dürfen nur noch von professionellen Institutionen angeboten werden. Der Einsatz sollte sich auf die Diagnostik von Erkrankten beschränken. Zur Früherkennung ist dieses Testverfahren ungeeignet. Alternativ sollten möglichst zeitnah hochsensitive PCR-Schnelltests eingeführt und weiterhin öffentlich finanziert werden. Die Kosten für diese Tests sind nicht höher als für die bisherigen Antigen-Schnelltests. Die Empfindlichkeit ist mit herkömmlichen PCR-Tests vergleichbar. Die PCR-Schnelltests können in Schulen und Kitas auch als sogenannte Pool-Tests angeboten werden, in Abhängigkeit von der Empfindlichkeit des jeweiligen Testverfahrens. In Schulen und Kitas sollten PCR-Schnelltests mindestens 2x wöchentlich verfügbar sein. Zur höheren Akzeptanz erfolgt die Testdurchführung als Spuck-/Gurgeltest und nicht als Abstrichtest. Ein standardisiertes Abnahmeverfahren in Selbstbeprobung ist anzustreben.

Schulen und Kitas sollten verpflichtend mit geeigneten Entlüftungssystemen oder Raumluftreinigungssystemen ausgestattet werden.

Bislang existieren keine flächendeckenden 24-Stunden-Anlaufstellen für Erkrankte . Das ist eine wesentliche politische Forderungen in Bezug auf die Pandemie, gerade angesichts der vierten Welle. Eigentlich sollte diese Forderung bereits längst umgesetzt worden sein. So beinhaltet die Stufe 3 des Nationalen Pandemie-Plans  eine Folgenminderungs-Strategie. Diese Folgenminderungs-Strategie wurde komplett vernachlässigt. Die  frühzeitige Behandlung von Komplikationen, beispielsweise durch eine leichte Blutverdünnung in der zweiten Erkrankungswoche kann den  Verlauf deutlich abschwächen. Jeder Landkreis sollte umgehend entsprechende Zentren  aufbauen, finanziert durch Bundesmittel.